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Statistiken und Studien zur Barrierefreiheit

Kaum etwas ist unsexier als nackte Zahlen, aber dennoch sind sie ab und zu nützlich. Deswegen habe ich mir einmal vorgenommen, alle mir bekannten Statistiken zum Thema barrierefreies Internet und Informationstechnik zusammenzustellen. Daten, die älter als fünf oder sechs Jahre sind – die Prä-Web-2.0- und Prä-Mobile-Web-Zeit lasse ich weg, soweit sie aus meiner Sicht nicht mehr aussagekräftig sind.

Web 2.0 barrierefrei

Nach wie vor lesenswert ist die Web-2.0-Studie von Einfach für Alle. Sie enthält die Ergebnisse einer Befragung von Behinderten zu ihrer Nutzung des Social Web. Seitdem hat sich aber erstaunlich wenig geändert. Sicher benutzen mehr Behinderte das Web 2.0 selbstverständlich – vor allem mobil – aber viele dieser Dienste sind in der Desktop-Variante schwer bis gar nicht zugänglich.
Zur Studie Web 2.0 barrierefrei PDF

Screenreader Survey

WebAIM veranstaltet regelmäßig Umfragen zur Nutzung des Webs durch Blinde und Sehbehinderte. Da geht es nicht nur um die Frage, welchen Screenreader die Leute nutzen, sondern auch darum, ob etwa Sprunganker oder Überschriften zur Navigation verwendet werden. Meine Lieblingsfrage ist natürlich, was die nervigste Barriere im Web ist, die Antwort lautet jedes Jahr aufs Neue: Flash, CAPTCHAs und schlecht programmiertes JavaScript.
Die Ergebnisse des aktuellen Surveys gibt es bei WebAIM.

Umfrage der EU

Die Europäische Union hat 2013 die Ergebnisse einer Umfrage mit ein paar interessanten Einstellungen zur Barrierefreiheit veröffentlicht. Wichtig ist zum Beispiel, dass rund zwei Drittel der Menschen mit und ohne Behinderung bereit wären, mehr für barrierefreie Produkte zu bezahlen. Das PDF zu lesen ist dank bürokratischem Englisch und nicht-barrierefreien Diagrammen ein Krampf, wer sich da durchkämpft findet aber durchaus Wissenswertes. Der Umwelt zuliebe sollte man die mehr als 100 Seiten nicht ausdrucken.
Weiter zu den Ergebnissen der Umfrage der EU

Kostenschätzung für Barrierefreiheit

Technosite hat 2012 eine Studie veröffentlicht, wo es um die Einschätzung geht, wie viel Barrierefreiheit kostet. Dazu gibt es auch eine Excel-Datei, mit deren Hilfe sich ausrechnen lässt, was es kostet, die Website barrierefrei zu machen.

Rezeption von Grafiken

Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit hat 2008 die Verständlichkeit von grafischen Symbolen in Leitsystemen für Menschen mit geistiger Behinderung geprüft. Solche Symbole werden gerne auch im Computerbereich eingesetzt, daher eine klare Leseempfehlung. Zur BKB-Studie PDF.

Internet mit geistiger Behinderung

Bereits 2007 - wenn ich das PDF richtig lese - hat Tobias Bernasconi seine Untersuchung zur Nutzung des Internets durch Menschen mit geistiger Behinderung veröffentlicht. Die komplette Arbeit gibt es als PDFauf dem Server der Uni Oldenburg, die Befragung und deren Ergebnisse findet man gegen Ende der Arbeit. Interessant ist auch das Forschungsdesign, eine Befragung von Menschen mit geistiger Behinderung erfordert eine andere Vorgehensweise und eine noch gründlichere Vorbereitung, wenn man sprechende Ergebnisse haben möchte.

Mobil mit Behinderung

Das Wireless RERC hat eine Studie zur Nutzung mobiler Geräte durch Behinderte veröffentlicht. Dabei kam unter anderem heraus, dass zumindest in Kanada Behinderte häufiger ein Smartphone nutzen als Nicht-Behinderte. In Deutschland würde ich von ähnlichen Zahlen ausgehen. Die Studie als PDF. In einem Interview heißt es, dass mehr als 80 Prozent der Behinderten drahtlose Technologie nutzen, damit sind wohl vor allem Smartphones und Tablets gemeint.

Sehbehinderte Senioren nutzen das Web stärker als Normalsichtige

Eine Umfrage des Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen e.V. im Projekt "Wir sehen weiter" ergab, dass sehbehinderte Senioren das Web stärker nutzen als Senioren ohne eine Sehbehinderung. Leider scheinen die Ergebnisse nicht öffentlich zugänglich zu sein, die Quelle findet sich hier.

Barrierefreie Websites im internationalen Vergleich

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation schätzt den Zugang von Behinderten zu Hilfstechnik in Ländern mit niedrigem Einkommen auf 5 - 10 Prozent. Die Quelle ist eine Studie der Washington University, die international die Barrierefreiheit vergleicht. Die Studie stammt allerdings aus 2007, so dass sich viele Parameter geändert haben dürften.

Die Barrieren der Barrierefreiheit

BITV, WCAG, UAAG - Barrierefreiheit kann ganz schön viele Barrieen haben. Das dachte sich auch der Autor der Masterarbeit "Die Barrieren der Barrierefreiheit" (PDF). Die Arbeit kann kostenlos heruntergeladen werden und beschäftigt sich damit, wie das Thema Zugänglichkeit den Entwicklern schmackhaft gemacht werden kann.

Digitale Spaltung

Es dürfte wenig überraschend sein, dass Behinderte seltener einen Zugang zum Internet haben als Nicht-Behinderte. Genaue Zahlen scheint es aber nicht zu geben. Zahlen zur Situation in den USA gibt es bei Legal.com. Demnach haben 76 Prozent der Nicht-Behinderten Zugang zum Internet, während es unter den Behinderten rund 48 Prozent sind.

Barrierefreie Bücher

Shilpi Kapoor weist auf eine Studie hin, nach der nur fünf Prozent aller erscheinenden Bücher in einem blindengerechten Format erscheinen.

Kosten Einfluß von Barrierefreiheit

Eine Studie der EU und verschiedener Partner untersucht die Kosten und den Einfluß digitaler Barrierefreiheit. Sie stammt aus dem Jahr 2012 und kann als DOCX heruntergeladen werden.

Barrierefreiheit im internationalen Vergleich

Der Zero Project Report (PDF) untersucht regelmäßig anhand bestimmter Indikatoren, wie sich die Barrierefreiheit in unterschiedlichen Ländern entwickelt hat.
Ähnliches macht der ICT Accessibility Progress Report (PDF) mit dem Schwerpunkt auf der Informations- und Kommunikationstechnologie. Der Report wurde 2013 von der Organisation G3ICT erstellt.

Barrierefreie Arbeitsplätze

Laut einer Gartner Studie werden 2015 50 Prozent aller amerikanischen Unternehmen Projekte gestartet haben, um Arbeitsplätze barrierefreier zu machen. Die Studie ist kostenpflichtig, ein paar Infos gibt es hier.

Kulturelle Veranstaltungen

Eine nach eigenen Angaben repräsentative Umfrage von Sennheiser zeigt, das schwerhörige und sehbehinderte Menschen oftmals auf kulturelle Veranstaltungen verzichten, weil sie nicht barrierefrei genug sind. Die Ergebnisse gibt es als ZIP-Archiv.

Bedeutung der Barrierefreiheit

Nach einer Untersuchung der Aktion Mensch halten 77 Prozent der Bundesbürger Barrierefreiheit für wichtig oder sehr wichtig.
Die Liste wird erweitert, wenn ich auf weitere Studien stoße. Ich freue mich auch auf weitere Hinweise per Kommentar oder Mail an domingos20000@gmail.com. Falls einer der Links nicht funktioniert, gerne im Kommentarfeld darauf hinweisen.