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Behinderte und Social Media

Cover des Buches barrierefreies Web 2.0Je nach Behinderung sind unterschiedliche Medien im Internet gefragt. Blinde tauschen sich bevorzugt über Mail aus, Gehörlose nutzen Skype oder andere Videodienste für ihre Gebärdensprach-Videos, Andere nutzen Foren oder Chats. Dienste wie Facebook, Google+ und Twitter haben das Ganze ein wenig ausgehebelt, da man hier alles posten kann: Nachrichten, Videos und Fotos. Der Netzwerk-effekt führt dazu, dass die alten Medien an Zuspruch verlieren, obwohl sie immer noch genutzt werden. Ein Vorteil der großen Netzwerke ist, dass hier auch problemlos Nicht-Behinderte erreicht werden können. Mailinglisten von Blinden zum Beispiel sind für Sehende - und nicht nur für sie - uninteressant.

Behinderte Menschen sind dank Smartphones und mobilem Internet mittlerweile sehr stark im Social Web vertreten. Dabei gibt es grundsätzlich keinen großen Unterschied zur Nutzung von Nicht-Behinderten. Das Web 2.0 wird genutzt zur Kontaktpflege, zur Selbstdarstellung oder zur Information.

Es gibt allerdings noch mehr: So bietet Facebook die Heimat für zahllose Selbsthilfe-Gruppen. Es gibt allgemeinen Gruppen, wo sich Behinderte zum Beispiel über Pflege oder Schwerbehindertenausweis austauschen. Und es gibt Gruppen zu einzelnen Behinderungen oder Erkrankungen wie Blindheit, Multiple Sklerose oder Diabetes.

Das hat dazu geführt, dass viele spezielle Online-Foren weniger stark frequentiert werden. Ein Kuriosum besteht darin, dass diese Foren ein gewisses Maß an Anonymität gewährt haben - die meisten Menschen dort sind mit Pseudonymen und Symbolfotos unterwegs, während es bei Facebook meist echte Namen und Fotos der Personen sind. Offenbar sind sich die meisten User dieser Problematik nicht bewusst. Wenn du selbst solche Gruppen betreibst oder sonstige Austausch-Möglichkeiten anbietest, empfehle ich einen entsprechenden Hinweis in den Disclaimer aufzunehmen.

Selbsthilfe funktioniert umso besser, je mehr Menschen daran teilnehmen, deshalb gibt es einen schleichenden Verlust bei Online-Foren zugunsten von Facebook. Wenn man in einem Forum nicht innerhalb eines Tages eine Antwort erhält, wird man sich früher oder später davon abwenden.

Konsum und Austausch sind nur zwei Aspekte des Social Web. Es gibt außerdem zahlreiche Blogs, Podcasts, YouTube-Channels und mehr, auf dem Behinderte eigene Inhalte produzieren. Dabei geht es oft um Behinderung, aber nicht immer. Behinderte teilen ihre eigenen Erfahrungen und erreichen ein teils beachtliches Publikum weit über die Behindertenkreise hinaus.